Phase 1: Vorfreude und Motivation

Nachdem wir unser erstes Peerox-Jahr 2020 erfolgreich gemeistert hatten, gefolgt von einem anstrengenden Corona-Winter, schauten wir mit viel Zuversicht in die Zukunft. Direkt zum Jahreswechsel sind wir in ein größeres Büro im Robolab bei der Robotron Datenbanksysteme GmbH umgezogen und hatten – neben einem Bündel weiterer Leads – mit der Bayer AG einen super Pilotkunden mit vielen Möglichkeiten.

Phase 2: Rückschläge und Strategieanpassung

Mit den steigenden Corona-Zahlen stiegen leider auch die Absagen. Geplante Neukundenprojekte und Messen wurden verschoben oder ganz gestoppt. Die damit verbundenen Unsicherheiten wirkten sich natürlich auch auf unser Team aus. Wir reagierten darauf, indem wir die Transparenz noch ein Stück weiter steigerten: Einmal im Quartal präsentiert die Geschäftsführung seither den aktuellen Kontostand, die aktuellen Kosten, die sicheren und geplanten Einnahmen sowie mögliche Projekte und eine damit verbundene Zeitlinie.

Kommt gesund (Ernährungssünden sind erlaubt!) durch die Feiertage; wir sehen uns in 2022!

Zusätzlich haben wir unsere vierteljährliche Retrospektive als Kommunikationsrahmen fest etabliert, mit der wir gemeinsam am Unternehmen bauen und uns über persönliche Anliegen, Ideen und Visionen austauschen. Genau dieser Austausch hat uns dazu bewegt, eine wichtige Grundsatzentscheidung im Frühjahr 2021 zu treffen: Statt weiter viel Energie in die – aufgrund der Pandemiebedingungen recht aussichtslose – Neukundenakquise zu investieren, setzten wir alles auf eine Karte. Wir fokussierten uns voll auf die Produktentwicklung und unseren Bestandskunden. Unser Ziel war es, so schnell wie nur möglich ein marktfähiges Produkt und ROI beim Kunden nachweisen zu können. Um dieser Erwartung gerecht werden zu können, haben wir mit Chris und Andreas zwei Software-Entwickler eingestellt. Mit einer stabilen und marktfähigen Software-Version bis Q3/2021 sollte der Implementierungsaufwand und damit die Kosten für Neukunden deutlich gesenkt werden.

Doch leider ist die Welt nicht ideal. Interne und externe Randbedingungen können sich ändern, Hypothesen als fehlerhaft erweisen und unvorhersehbare Herausforderungen auftauchen. So war auch unser Frühling und Sommer eine durchaus schwere Phase. Unter Hochdruck haben wir versucht, auf äußere Einflüsse zu reagieren und dabei natürlich selbst Fehler gemacht. Statt in neuen Features zu denken und MADDOX weiterzuentwickeln, hatten wir gefühlt mehr mit Trouble-Shooting zu kämpfen. Das war frustrierend, aber auch prägend. Auf dem Weg zum schnellen MVP (Minimal Viable Product) haben wir technische Schulden bewusst in Kauf genommen. Nach und nach haben wir diese Schulden durch Bugfixes und Optimierung der Entwicklungsprozesse auflösen können. Mit einer deutlich höheren Abdeckung automatisierter Software-Tests sowie unserer CI/CD-Pipeline können wir heute ein effizientes, gut wartbares Produkt anbieten.

Phase 3: Lohn für die harte Arbeit -> MADDOX endlich stabil!

Die Ausdauer hat sich ausgezahlt. Ab August hatten wir die größten Herausforderungen im Griff und konnten strukturiert die letzten Feinheiten beheben. Die Stabilität und Zuverlässigkeit der resultierenden MADDOX Version 3.4 entsprach unseren Anforderungen und die Nutzerakzeptanz beim Kunden stieg wieder an. Gleichzeitig hat diese Phase uns als Team noch enger zusammengeschweißt. Wir konnten so herausfinden, wer wie mit Druck umgeht und wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Auch mit dem Release dieser für uns so wichtigen Version und dem Verkauf unserer ersten Software-Lizenzen haben wir einen großen Meilenstein erreicht und die wohl bisher anstrengendste Phase unser jungen Unternehmensgeschichte abgeschlossen.

Phase 4: Wir stärken den Vertrieb

Noch während den großen Herausforderungen und der Unsicherheit im Sommer haben wir intensiv an den nächsten Schritten der Unternehmensbildung gearbeitet. Wir wollten ab Q3/2021 aktiv den Vertrieb stärken. Dazu haben wir uns bei unserer ersten Messe angemeldet und mit Amie unsere erste professionelle Vollblut-Vertrieblerin gewinnen können. Auch wenn die Messevorbereitung gewohnt stressig und mit Blick auf die Corona-Entwicklung mit großen Unsicherheiten verbunden war, war das Ergebnis ein voller Erfolg. Es waren viele Besucher vor Ort, die wir von uns und MADDOX überzeugen konnten. In den Follow-Up-Gesprächen nehmen wir nun ordentlich Fahrt auf. Wir standardisieren den Akquise-Prozess, entwickeln das Marketing, überarbeiten unsere Homepage und investieren in neue Kommunikationsmedien.

Was wir ins neue Jahr mitnehmen

Die großen Rückschläge und Erfolge dieses Jahr haben uns noch mehr zusammenwachsen lassen. Wir wissen, dass wir uns vertrauen und aufeinander verlassen können. Homeoffice, Urlaub, Kranktage, spontane Pausen und Überstunden sind kein Diskussionsthema mehr. Jeder achtet auf sich und seine Mitpeers, nimmt sich eigenverantwortlich seine Pausen und lässt sich nicht von möglichen Wahrnehmungen oder Erwartungen anderer lenken. Darüber hinaus ist MADDOX nicht nur deutlich stabiler geworden. Trotz aller Schwierigkeiten sind zahlreiche Features entstanden wie bspw. die SAP-Schnittstelle, leistungsstarke Autorentools, ein robusterer Suchalgorithmus und deutlich bessere Workflows. Bereits heute haben wir zahlreiche neue Aufträge für 2022 gewinnen können und stehen mit vielen spannenden, potenziellen Neukunden in Kontakt. Es macht also nicht den Eindruck, dass 2022 in irgendeiner Form weniger spannend wird. Wir freuen uns riesig darauf!

Wir rechnen mit; unter anderem gegen Krebs

und beim Africa Rainfall Project

Dies sind unsere Statistiken. Wollt ihr uns challengen? 😉

Unsere interne Infrastruktur (nicht die on-premise Kundensysteme) läuft auf dezidierten Servern in deutschen Rechenzentren, die mit Ökostrom betrieben werden. Da gibt es keinen Grund, von uns nicht benötigte Rechenleistung „verpuffen“ zu lassen; wir nehmen niemandem Performance weg und steigern auch nicht unseren CO2-Fußabdruck. Deshalb rechnen wir sowohl mit unseren Servern als auch mit einigen Nutzergeräten mit beim WorldCommunityGrid. Das ist eine gemeinnützige Plattform, auf der extrem rechenaufwändige wissenschaftliche Simulationen, beispielsweise für Mittel gegen Krebs und Covid-19 oder Modelle zur Anpassung an den Klimawandel, in viele kleine Teilaufgaben zerlegt werden. Diese werden automatisch über das Internet auf die Computer und Smartphones von hunderttausenden Teilnehmern auf der ganzen Welt heruntergeladen, mit freier (ungenutzter) Prozessorkapazität berechnet und zurück geschickt. Durch die kleinen Beiträge aller, die man als Einzelner gar nicht merkt, entsteht so in Summe einer der leistungsstärksten Supercomputer der Welt. Wir haben gegenwärtig schon fast zwei Jahre Rechenzeit „gespendet“ und 6.500 Teilaufgaben berechnet.

Macht doch auch mit und lasst eure Rechner, Smartphones und Server in deren „Freizeit“ Teil der wissenschaftlichen Community sein!

Ein Work-Life-Abenteuerbericht von Chiara Westphal.

Was mir initial durch den Kopf ging:

  • Home Office klappt allgemein erstaunlich gut.
  • Juhu! Man kann innerhalb Europas wieder relativ gut reisen.
  • Unbegrenzt Urlaub – Ja gut, aber eigentlich sind meine Aufgaben und die gesamte Entwicklung der aktuellen Projekte viel zu spannend, um sie jetzt nicht selbst weiter zu verfolgen.

Quizfrage: Was wurde mir geboten, damit ich letztere Aussage schreibe?

1. Eine Lohnerhöhung.

2. Zur Abwechslung keine Schläge.

3. Weder noch. Ich empfinde es wirklich so.

Nichts, aber wir sind eine verkappte Sekte, deren Beitrittskriterium irgendeine Ausprägung von Wahnsinn ist, der zur Einbildung führt, dass Arbeit Spaß machen würde.

Mit dem Moped nach Süden!

Ergebnis aus den obigen Gedanken: Ich kombiniere einfach alles und nenne es Home-Office-Spezial-Wochen. Gesagt, getan. Also schnappte ich mir einen Freund (der selbstständig ist und flexibel remote arbeiten kann), ein Motorrad, Kletter- und Hochtourenausrüstung, buchte noch einige Wochenend- bzw. Halbtages-Kajaktouren dazu und machte mich für drei Wochen auf in die Alpen.

Woche 1 verbuche ich was den Plan täglich die Nähe zu den Bergen nutzen zu können als Teilerfolg. Das Wetter war bescheiden. Ein wichtiger Release stand an, der meine Arbeitszeit zum Leidwesen meiner Begleitung, auf einem konstant hohen Pensum hielt. Zudem fielen hier und da Kleinigkeiten auf, die ich nicht bedacht hatte: Es ist für alle Beteiligten anstrengend, wenn ich von einem Gemeinschaftsraum einer Unterkunft aus ohne Headset an einer WebKo teilnehme. – Ich kaufte ein neues Headset. Ebenso ist es blöd, wenn die Unterkunft von sich schreibt, dass es WLAN gäbe, es aber praktisch nicht nutzbar ist. – Ich schloss einen neuen Handyvertrag mit größerem mobilen Datenvolumen ab. Die kommenden Wochen liefen deutlich besser.

Mein Fazit: Das waren definitiv nicht die letzten Home-Office-Spezial-Wochen!

Interessant ist an der Stelle was alles zu diesem Fazit beigetragen hat. In erster Linie hatte ich natürlich Spaß. Alle meine Hobbys haben praktisch vor der Haustür auf mich gewartet.

Bevor ich gestartet bin, habe ich mir aber durchaus einen Kopf darüber gemacht, wie gut ich ein Gleichgewicht zwischen Erreichbarkeit und Effizienz und andererseits aber Spiele, Spaß und Freude schaffen kann. Natürlich wurde im Team bisher ausdrücklich kommuniziert, dass es im Wesentlichen egal ist wann und wie viel jeder arbeitet. Hauptsache die Aufgaben werden erledigt und falls nicht, dann angemessen kommuniziert. Dennoch ist es ein interessantes Experiment zu sehen, was passiert, wenn man übliche Vorstellungen einer Art Kernarbeitszeit völlig ignoriert.

Wenn auch vom Timing eher ungünstig, denke ich dass die erste Woche mit dem Release sehr wichtig für den Beweis war, dass man sich da voll aufeinander verlassen kann. Ich wusste es ist wichtig, also war ich da. Ab der zweiten Woche habe ich meine Arbeitszeit eher nach dem Wetter ausgelegt. Ist durchaus etwas unkonventionell am Abend vorher oder teils erst am selben Tag mitzuteilen, wann man am Tag verfügbar ist. An sonnigen Tagen wurden nur wichtige und/oder dringende Aufgaben bearbeitet. Das hat natürlich dazu geführt, dass ich insgesamt weniger Zeit gearbeitet habe, als ich es im Büro üblicherweise tun würde. Immer wieder hat mich das sehr bewusst zu der Frage geführt: Läuft alles wie es soll? Ja: Dann kann ich mir frei nehmen.

Ein Experiment wäre wohl kein Experiment, wenn man nicht auch Zweifel hätte. Mir war klar, dass ich auch Kleinkram zu erledigen hatte, den ich üblicherweise einfach mit zwei Stunden Zeit mehr bearbeitet hätte. Insofern wägt man hintergründig immer ab, ob den das was man tut ausreicht, denn man könnte ja deutlich mehr schaffen, wenn man acht statt vier Stunden arbeiten würde. Das kriege nicht nur ich mit, sondern alle. Extrem angenehm war dabei die Kommunikation im Team: Im Zweifel einfach fragen, ob noch was zu tun ist oder ob sonst irgendwas negativ auffällt.

An der Stelle auch ein großes Dankeschön an meinen Freund Basti, der sich drei Wochen lang nach meinem anfänglich wenig flexiblen Dienstplan gerichtet hat und einen wesentlichen Anteil daran hat, dass es so ein toller Ausflug wurde.

Zum Höhepunkt an deutlich spürbaren Vertrauen/Flexibilität/Eigenverantwortung hat meine vorsichtige Anfrage für zwei spontane Urlaubstage in der dritten Woche geführt. Sinngemäß war die Reaktion darauf: „Ja, klar. Du wirst selbst einschätzen können, ob das geht. Sag Bescheid, wenn du noch Hilfe beim Umplanen brauchst.“ Für den Kollegen war es echt gut, dass ich so weit weg war. Ich hätte ihn sonst im anschließenden Euphorieschub kaputt geknuddelt.

Zusammenfassend würde ich das Ganze also als vollen Erfolg verbuchen. Von Seiten meiner Kollegen habe ich unglaublich viel Entgegenkommen und Verständnis erfahren. Euch Peers vielen Dank dafür! Interessant war auch zu sehen wie gut ich mich persönlich in egal welcher Umgebung konzentrieren konnte.

Wer noch Lust auf einen Auszug meiner persönlichen Reise-Highlights hat, findet nachfolgend meine Top 3 der Arbeit-vs.-Freizeit-Erlebnisse.

Platz 3

In Woche 1 (durchgängig durchwachsenes Wetter) ließ sich doch mal die Sonne blicken. Parallel wartete ich aber auf eine Info eines Kollegen, um den neuen Stand einer Testinstanz testen zu können. Ich bat also einen weiteren Kollegen darum mich anzurufen, sobald etwas getan werden konnte. Bis dahin ging ich klettern.
Die Erfahrung ein dienstliches, wenn auch kurzes Gespräch in der dritten Seillänge einer Kletterroute zu führen, fand ich sehr erheiternd… Die Kombi hätte ich mir davor eher schlecht vorstellen können.

HO-Spezial 2

„Hallo?! …nein, Notizen machen ist gerade schlecht…nein, ich kann mir nicht mal schnell nen Zettel holen…!“

Platz 2

Ganztages-Workshop aus einer Kneipe in Südtirol.

Es war laut. Glücklicherweise war aber alles so abgestimmt, dass mein Redeanteil minimal war. Auf das Zuhören konzentrieren verlangte mir dennoch einiges ab. Richtig gut wurde es, als andere Gäste mich zunehmend unterhaltsamer fanden, wie ich da so mit meinem PC und Headset saß und nebenbei (wirklich großartige) Pasta schlürfte. Bis ca. 14 Uhr habe ich vier bis fünf Einladungen mir einen Grappa ausgeben zu lassen freudig abgelehnt. (Ich weiß, unnötig. Die WebKo hätte es schließlich nicht schlechter gemacht. ^^) Zwischendurch brüllte eine der Kellnerinnen fröhlich durch den Raum: „You work? No! Holiday, holiday!“

Als mir dann ein Gast sein Handy mit einem laufenden Videoanruf mit seinem Vater vor die Nase hielt und mir heiter irgendwas erzählte (Keiner von uns sprach eine Sprache, die der andere verstehen konnte. Schien aber egal zu sein.), hielt ich es für einen geeigneten Zeitpunkt mich vorsichtig aus dem Termin zu verabschieden. (Leider habe ich dann dennoch keinen Grappa mit den Gästen getrunken, da ich noch eine vierstündige Motorradtour über den alten Brennerpass vor mir hatte.)

Samstag und Sonntag war das Wetter grenzwertig bis durchwachsen, was den Spannungspegel recht hoch hielt. Nichtsdestotrotz (oder vielleicht gerade deswegen) hatten wir einen großartigen Ausflug, waren aber auch sehr froh, dass alles geklappt hatte und wir nicht irgendwo im Fels biwakieren mussten.

Platz 1

Von Samstag bis Montag machten wir eine Tour über zahlreiche Klettersteige durch die Brenta. Am Montag sollte nur noch der Abstieg stattfinden. Da das nur vier bis fünf Stunden dauern sollte, machte ich mir für den Nachmittag einen dienstlichen Termin aus.

Der erste Teil des Abstiegs ging schneller als erwartet, weswegen wir vom ursprünglichen Routenplan abwichen und einen Weg vorbei an einem See wählten. Nur zwei Kilometer weiter sollte uns ein Lift dann weiterbringen, sodass die neue Route nicht länger als geplant hätte dauern sollen.

Am Lift angekommen war unschwer zu sehen, dass dieser nicht fuhr. Nach einem kurzen Austausch mit einem Mitarbeiter der Station, war dieser der Meinung, dass der schnellste Weg für uns nach unten querfeldein unterhalb der Seilbahn sei. Interessanter Vorschlag. Wir versuchten also so schnell wie möglich einen ca. 60 Grad geneigten Hang mit allerhand feuchtem Gestrüpp hinunterzulaufen.

Gut war: Durch den recht hohen Bewuchs fiel man meist relativ weich, wenn man mal in einer der zahlreichen Bodenunebenheiten versank. Weil das so viel Spaß machte, entschied ich mich an einer Kreuzung mit einem Wanderweg ca. fünf Kilometer in eine teils falsche Richtung bergab zu laufen. Meine Begleitung und ich kamen also etwa drei Kilometer voneinander entfernt im Tal an, um beide festzustellen, dass es (außer einem Taxi vielleicht) kein sinnvolles Verkehrsmittel gab, dass uns zum Auto hätte bringen können. Wir sind also beide getrampt. Das klappte zufällig fast zeitgleich, sodass wir letztendlich doch pünktlich (da war ja noch dieser Termin) im Auto auf dem Rückweg zur Unterkunft waren. An dieser Stelle möchte ich gern meinen Kumpanen zitieren, der recht unverständlich auf mein angespanntes Gemüt reagierte: „Was hast du denn? Es hat doch alles geklappt!“

In Gesprächen mit Familien und Freunden zeigt sich immer wieder, wie viele selbst Lust auf das „Abenteuer Gründung“ haben. Aber schlussendlich trauen es sich doch nur wenige und haben Angst vorm Scheitern. Auch der Blick in die Statistik motiviert da kaum. Insbesondere mit dem sehr geringen Anteil Gründerinnen verbauen wir uns alle viel Potenzial.

Unser Blick in die Zukunft

Aus diesem Grund haben wir früh für uns entdeckt, dass wir auch andere zu diesem Schritt motivieren möchten.

Während wir uns in der Entwicklung unseres Produktes und unseres Unternehmens natürlich stark auf die Gegenwart und unsere Herausforderungen konzentrieren, nehmen wir uns immer wieder die Zeit und spekulieren über die Zukunft. Wir denken darüber nach, wo wir hinwollen. Wir sprechen über Visionen und Schwerpunkte. Dieses regelmäßige Abtauchen ist sehr wichtig für uns, um gemeinsam ein Verständnis für die Prioritäten der anderen zu bekommen.

Eine gemeinsam formulierte Vision war: Wir helfen anderen Gründern und Gründerinnen ihre Träume umzusetzen. Wir haben uns fest vorgenommen, irgendwann mit viel Erfahrung, Netzwerk und vielleicht etwas Kapital anderen zu helfen, die Welt ein Stück besser zu machen. Das galt für uns besonders für die eigenen Mitarbeiter. Mit dieser Strategie stießen wir oft auf Unverständnis: „Andere reißen sich um neue Mitarbeiter und ihr wollt euren Leuten noch helfen, aus der Firma auszugründen!“ Wir sehen es ein wenig anders. Wieso sollte unser Interesse darin liegen, unseren Peers die eigene Gründung auszureden, wenn doch anscheinend die innere Stimme etwas anderes sagt. Gemäß unserer Strategie nicht gegen Entwicklungen zu kämpfen, sondern diese in die richtige Richtung zu lenken, ist die Strategie in unseren Augen auch unternehmerisch sinnvoll.

  1. Wir leben die persönliche Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter. Zu dem Versprechen stehen wir, auch wenn es mal nicht unserem Interesse dient.
  2. Wenn wir aus der Peerox heraus unterstützen können und einen gemeinsamen Erfolg erzielen, ist es ein Erfolg und Return für alle Peers.
  3. Wir schaffen eine vertrauensvolles Ökosystem und auch der gründungsorientierte Peer wird im Sinne der Peerox Vollgas geben, um uns irgendwann in die Lage zu versetzen, diese Vision wahr werden zu lassen.

Aber zurück in die Realität: Wir kämpfen jeden Tag mit Bugs, schwierigen Entscheidungen, plötzlichen Herausforderungen und langen Sales-Cycles. Bis wir anderen beim Gründen helfen, müssen wir selbst erst einmal zusehen, dass wir unsere Hausaufgaben machen.

Mit der Gründung der Peerox haben wir uns einen Traum erfüllt. Die große Freiheit über alles selbst entscheiden zu können. Festlegen zu können, was wir wie und wann tun und dabei die volle Verantwortung tragen ist ein tolles Gefühl.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Die Vision der Peerox ist jedoch nicht nur die Vision der beiden Gründer. Aus diesem Grund haben wir auch bei einem gemeinsamen Visions-Abend und Vorstellungsgesprächen die Idee der Gründung von StartUps aus der Peerox heraus thematisiert, u.a. auch mit Willi Sontopski. Willi bewarb sich bei uns als Software-Entwickler und erzählte uns von seiner eigenen Gründungsidee. Er hatte eine App im Kopf, mit der Freunde-Finden so einfach wie nie werden sollte. Auch wenn uns die Produkt-Idee nicht sofort umgehauen hat, faszinierte uns seine Leidenschaft und sein Feuer. Während er bei Peerox einen enorm beeindruckenden Start hingelegt hat und mittlerweile sein eigenes kleines Team für die Backend-Entwicklung leitet, arbeitete er in seiner Freizeit unermüdlich und mit schier unendlicher Energie an seiner App. Plötzlich stand er vor uns und meinte: „Ich habe den Prototypen fertig und würde das gern mit euch rausbringen“.

Dank KI kann die App Conngenial „Äpfel mit Birnen vergleichen“ und trotzdem die im Kern verbindenden Gemeinsamkeiten erkennen.

Conngenial – Viel mehr als nur „noch-eine-Social-App“

Wir waren ziemlich baff und ließen uns nun zum ersten Mal im Detail seinen Prototypen zeigen. Uns wurde schnell klar, dass wir mit unserem ersten Gedanken „Nicht-noch-eine-Social-App“ mächtig daneben lagen. Willi hat etwas konzipiert und umgesetzt, was wir beide so noch nie gesehen haben. Es ist simpel, intuitiv und geradezu genial einfach. Grundlegend basiert die App „Conngenial“ darauf, dass man seine Interessen, Vorlieben und Persönlichkeit über freie Tags beschreibt und seine Suchziele definiert (Freunde, Liebesbeziehung usw.). Ein Machine-Learning-Algorithmus analysiert mithilfe von NLP (Natural Language Processing) diese Informationen und berechnet einen Ähnlichkeitsscore. So haben bspw. Hunde- und Katzenliebhaber eine gemeinsame Vorliebe für Haustiere, während Downhill-Fans und Mountainbiker eine Faszination für Fahrräder teilen.

Wie nun weiter?

„Unsere Arbeitszeit ist jetzt schon weit weg von gut und böse“, „Wir brauchen Fokus“, „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“ … Wir brauchen vieles. Was wir nicht brauchen, ist ein zweites Baby. Andererseits: Willi hat für uns die letzten Monate alles gegeben, sich mit Haut und Haaren in die Peerox gehangen. Außerdem ist das, was er da gebaut hat eine wirklich coole Idee. Also haben wir beschlossen: Wir helfen ihm. Wir haben uns zusammengesetzt und über das „Wie“ gesprochen. Wollen wir eine neue Firma gründen? Brauchen wir Investoren? Wieviel Zeit können wir investieren?

Gemeinsam haben wir beschlossen, wir starten eine gemeinsame Testphase. Wir wollen herausfinden, ob die Welt Conngenial braucht. Dazu werden wir in der Peerox die Infrastruktur bereitstellen, die Anwaltskanzlei zur Prüfung von Datenschutz- und Nutzungsbedingungen finanzieren und beim Marketing helfen.

Ein Peerox-Projekt

Willi stellte sein Herzensprojekt und unsere gemeinsame Strategie den anderen Peers vor. Der Zuspruch war sogar für die optimistisch denkenden Gründer überraschend. Anstatt Bedenken zu äußern, freuten sich alle für Willi und suchten aktiv nach Möglichkeiten, ihn unterstützen zu können. Wir haben Conngenial nun auf unsere Server umgezogen, bieten den Download für Android im Google-Play-Store und für iOS im Apple-App-Store an. Ziel ist zum Start des neuen Semesters Conngenial in Dresden bekannt zu machen und zu zeigen, dass der einfache Ansatz funktionieren kann.

Wer die App ausprobieren möchte, findet den Link zur iOS bzw. Google-App unter www.conngenial.de

Bereits letztes Jahr waren wir beim Stadtradeln aktiv. Geändert hat sich seither, dass es für unsere Peers inzwischen geförderte Dienstfahrzeuge gibt. Dabei nehmen wir Car-Sharing ernst: Jeder bekommt zwei Räder (mit Sattel und Lenker dran ;-). Das ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für das Wohlbefinden unserer Peers.

Welche muskelbetriebenen Qualitäts-Boliden wir dabei springen lassen, hat sich beim diesjährigen Stadtradeln eindrucksvoll gezeigt: Mit spektakulären 507 km in 3 Wochen wurde der Peerox-Vorjahresrekord vom neuen Peer-Bike (und dessen stolzen Besitzer) pulverisiert. Damit hat die Goldene Luftpumpe einen neuen Besitzer! Insgesamt haben die sieben teilnehmenden Peers während der Aktion 1.288 km auf die Straße gebracht und damit 190 kg CO2 eingespart.

Auch im kommenden Jahr wollen wir unserem steilen Aufwärtstrend treu bleiben und rüsten dafür eifrig auf: Inzwischen ist bereits das dritte Peer-Bike „on the road“…Tendenz steigend.

Mit unserer Technologie ziehen wir an allen vorbei, die noch konventionell unterwegs sind. Dank der neuen Peer-Bikes machen wir da auch auf der Straße keine Ausnahme.

Die 150% Finanzierungsquote im Crowdfunding-Projekt sprechen für sich. Viel Erfolg mit Peer.gewinnt!

Wie geil ist das denn?! Peer.gewinnt lässt in Sachsen ein Netzwerk für den Austausch zwischen Jugendlichen und demokratisches Engagement entstehen. Damit hat das Projekt nicht nur wegen der namentlichen Nähe zu uns unsere volle Aufmerksamkeit. Wir fühlen uns wohl in Sachsen; zwischen Kletterfelsen und Badeseen, Barock und Wissenschaft. Deshalb möchten wir, dass auch die Werte, für die wir als Peerox stehen, wieder fester verankert werden. Aus diesem Grund unterstützen wir bspw. seit unserer Gründung als Fördermitglied Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen e.V.

In Peer.gewinnt sehen wir ein ähnlich positives Potenzial und haben deshalb den Aktion Zivilcourage e. V. gerne beim Crowdfunding des Projektes unterstützt. Wir wünschen viel Erfolg bei der Umsetzung und freuen uns schon auf die Ergebnisse!

Eure Peers 😉

Produktionsunternehmen, die Ihre Anlagen- und Prozesseffizienz verbessern wollen, suchen in den seltensten Fällen nach „selbstlernenden Assistenzsystemen“. Vielmehr wird nach neuen Möglichkeiten der Automatisierung gesucht. Unser innovativer Lösungsansatz, MADDOX als zugehöriges Produkt und die zugrundeliegende Strategie müssen also zunächst einmal als mögliche Lösung wahrgenommen werden. Statt auf LinkedIn-Ads & Co. setzen wir daher seit Beginn auf Konferenzen, Messen, Podcasts und Interviews, um unser Konzept interessierten Zuhörern persönlich erläutern zu können.

Zur Interpack 2017 wurde die Idee eines selbstlernendes Assistenzsystems erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA e.V.) unterstützte den bis dato nur als Vision vorhandenen Forschungsansatz. Wir erhielten den Auftrag, zur Interpack einen Blick in die Zukunft zu wagen. Gemeinsam mit einem professionellen Filmteam und der Unterstützung der GEA Food Solutions Germany GmbH kreierten wir einen futuristischen Eye-Catcher. Diesen durften wir auf dem Messestand des VDMA einem breiten Publikum vorführen, diskutieren und unser Netzwerk aufbauen: https://www.youtube.com/watch?v=lUhD4jXtG1I

So sah die Vision eines Vorschlags des Assistenzsystems auf einer AR-Brille im Video 2017 aus.

Bereits kurz nach unserer Gründung 2019 wurden wir vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Gründerwettbewerb digitale Technologien ausgezeichnet. Zur Preisverleihung auf der EMO in Hannover wurde unser Gründer Markus interviewt und erläuterte kurz unsere Strategie: https://www.youtube.com/watch?v=hRoCfjHqZ3Y

Im Juli 2020 erreichten wir den dritten Platz beim sächsischen Gründerpreis. Pünktlich zum ersten Geburtstag der Peerox war das eine einmalige Gelegenheit, die vielen Niederlagen und großen Siege eines ersten intensiven und aufregenden Jahres mit allen Peers feiern. Als Nominierter durften wir unsere Vision in einem professionellen Video erläutern: https://www.youtube.com/watch?v=bSF54RBYkfM

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt mit seinem Förderprogramm „Exist-Forschungstransfer“ jedes Jahr Gründungsaktivitäten in Universitäten und Forschungseinrichtungen. Auch wir erhielten diese Unterstützung und damit die Gelegenheit, unsere Forschungsergebnisse ausbauen und in ein marktfähiges Produkt überführen zu können. Zu diesem Weg, unserem Plan und der Motivation dazu, wurden wir in einem Interview befragt: https://www.exist.de/EXIST/Redaktion/DE/Erfolge/peerox-gmbh.html

Die Suche nach passenden Peers mit den richtigen Hard- und Softskills ist natürlich auch für uns eine große Herausforderung und ein nicht zu unterschätzendes finanzielles Risiko für das gesamte Team. Umso wichtiger ist es uns, mit erfahrenen Partnern im Recruiting zusammenzuarbeiten. Mit Venturi Ltd. haben wir einen vertrauensvollen, kompetenten Partner gefunden und erhielten im Zuge des Recruitings auch die Möglichkeit, uns und unsere Vision im eigenen Podcast vorzustellen: https://soundcloud.com/user-910706127/markus-windisch-peerox-podcast

Themen im Video zur Reihe „so geht sächsisch“ waren neben MADDOX als Produkt die zugrundeliegende Philosophie und unser tolles interdisziplinäres Team.

Der Podcast „KI in der Industrie“ von Peter Seeberg und Robert Weber hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Instanz im Bereich Technologie und Produktion entwickelt. Mittlerweile verfolgen viele Tausend Zuhörer die spannenden Einblicke in die vielfältigen Bereiche der künstlichen Intelligenz und maschinellem Lernen. Wir kennen Peter bereits aus der Mitarbeit im Arbeitskreis Maschinelles Lernen des VDMA und verfolgen den Pdocast als begeisterte Fans der ersten Stunde. Inmitten der Corona-Krise erhielten wir eine Einladung für ein Interview zu unserem Assistenzsystem, den dahinterliegenden Technologien und unseren Visionen: https://www.kipodcast.de/podcast-archiv/63

Ende 2020 wurden wir von der sächsischen Staatskanzlei angefragt, im Rahmen der Reihe „so geht sächsisch“ uns und unsere Peerox vorzustellen. In dem kurzen Video haben wir einen Blick in unser Büro (=Peero) und unsere Pläne gewährt: https://youtu.be/P4ZsHYzXAhI

Mit einem neutralen Blick von außen entsteht schnell der Eindruck, dass MADDOX im wesentlichen von 2 Personen entwickelt und vertrieben wird. Schließlich sind immer die gleichen Nasen zu sehen bzw. zu hören. Während aber CEO und CTO mit den großen Erfolgen an jeder Stelle voller Selbstbewusstsein werben, kämpft im Hintergrund unser hochmotiviertes Peer-Team mit den wirklichen Herausforderungen. Dieser großartige Job, der Teamgeist, die Leidenschaft und Leidensfähigkeit sind das Fundament für das Scheinwerferlicht der stolzen Gründer.

Wenn wir keine Fehler machen, sind wir zu langsam!

„Wir leben eine Fehlerkultur“, „Nur durch Fehler wird man besser“, „Man macht keine Fehler, man lernt“ … diese und andere Weisheiten findet man an vielen Stellen. Das klingt auch irgendwie schlüssig und sinnvoll. Schließlich gibt es nichts Nervigeres, als wenn Kollegen Fehler vertuschen und man dadurch selbst in Probleme läuft. Wenn jeder offen mit Fehlern umgeht, nimmt das ja auch ordentlich den Druck von einem selbst. Soweit die Theorie.

Aber dann kommt irgendwann der Tag, an dem man selbst (so richtig) ordentlich danebengegriffen hat. Oft folgt dann die menschlich vollkommen nachvollziehbare Reaktion des Selbstschutzes: „Dafür kann ich ja nun wirklich nichts! Wer hätte das schon wissen können? Das ist eindeutig die Schuld vom Kunden/Partner/Kollegen!“. Hier zeigt sich eine ziemlich beeindruckende menschliche Fähigkeit: Zum Schutz des eigenen Egos reden wir uns einfach so lange ein, dass andere schuld sind, bis wir das schlussendlich sogar wirklich glauben. Leider ist es dann aber auch sehr wahrscheinlich, dass sich der Fehler wiederholt. Aus der Selbstschutzperspektive nimmt dann halt die Zahl der Trottel und Ignoranten stetig zu.

Wenn man jedoch seinem Ego mal richtig auf die Füße steigt und sich selbst ehrlich hinterfragt, entstehen interessante (manchmal auch schmerzhafte) Einsichten wie bspw. „Ich war zu unkonzentriert.“, „Ich war nicht vorbereitet genug.“, „Ich habe nicht klar genug kommuniziert.“ oder „Als Kunde hätte ich auch etwas Besseres erwartet.“. Sich diese Dinge ehrlich einzugestehen und mit dem Ego zu diskutieren nervt und kann mächtig anstrengend sein, hilft aber auf lange Sicht ungemein.

Bei Peerox glauben wir an Geschwindigkeit. Wir wissen, wir haben weder die Zeit noch die Ressourcen, jeden denkbaren Fehler im Vorfeld vermeiden zu können. Das heißt, wir gehen bewusst Risiken ein, probieren aus und scheitern. Wir scheitern ständig und machen immer wieder Fehler. Aber nur so können wir gemeinsam herausfinden, was denn nun wirklich funktioniert. Getreu dem Motto: „Wenn wir keine Fehler machen, sind wir zu langsam!“

In dieser Strategie sind für uns drei Dinge absolut wichtig:

  1. Wir gehen bewusst ins Risiko und schätzen mögliche Fehler/ Schäden ab! Wir dürfen nicht naiv in Fehler laufen, die u. U. existenzbedrohend sind.
  2. Wir lernen gemeinsam aus eigenen Fehlern und denen der Kollegen. Wir nutzen jede Chance, neue Lösungsstrategien zu entwickeln.
  3. Wir haben Vertrauen zueinander. Der offene Umgang mit eigenen Unzulänglichkeiten verlangt einen ganz besonderen Team-Spirit. Jeder einzelne Peer beschützt und fördert diese sensible Kultur.

Um diese Fehlerkultur im Team zu leben, gibt es in einigen Unternehmen bspw. eine s. g. „Fuckup-Hour“. Man spricht gemeinsam über Fails, lernt dadurch und baut Vertrauen auf.

Bei Peerox war uns das Konzept der „Fuckup-Hour“ nicht radikal genug. Die Learnings begrenzen sich schließlich auf den zum Meeting anwesenden Teil des Teams. Abwesende oder neue Peers haben kaum Gelegenheit von den Fails zu erfahren. Aus diesem Grund pflegen wir ein digitales „Fuckup-Diary“. Dabei handelt es sich um eine interne Wiki-Seite. Die Vorteile der schriftlichen Dokumentation liegen auf der Hand:

  1. Durch den Prozess des Aufschreibens reflektiert man selbst deutlich stärker. Man überdenkt einzelne Entscheidungen, Voraussetzungen, Schlussfolgerungen und vor allem die resultierenden Learnings.
  2. Durch die tägliche Arbeit im Wiki werden bei Suchen zu ähnlichen Themen die Wiki-Einträge aus dem Fuckup-Diary immer wieder präsentiert. Das heißt auch, dass unsere zukünftigen Peers immer wieder über unsere Fails in der Vergangenheit stolpern werden.
  3. Durch das ständige wieder Aufkochen der bereits gemachten Fehler können wir in zukünftigen Situationen die Learnings direkt anwenden.
  4. Das eigene Ego wird deutlich mehr gestresst. Vor allen heutigen und zukünftigen Peers derart die Hosen runterzulassen verlangt viel Selbstreflektion, Vertrauen und Mut.

Als Gründer und Geschäftsführer haben wir natürlich die ersten Einträge geschrieben. Wir geben ehrlich zu, dass wir uns zum damaligen Zeitpunkt nicht sicher waren, ob wir dem Team damit nicht zu viel zumuten. Vielleicht bleiben unsere Beiträge die einzigen Beiträge und die Idee ein mächtiger Rohrkrepierer. Aber wer uns kennt weiß, dass die Möglichkeit sich auf die Knochen zu blamieren noch nie ein Grund war, irgendwas nicht zu tun. Außerdem waren wir uns ziemlich sicher: Wenn so etwas mit irgendeinem Team funktionieren kann, dann mit unserem.

Auch hier wurden wir in unserer Hoffnung nicht enttäuscht. Die nächsten, schonungslos ehrlichen Beiträge folgten recht schnell. Wir sprechen, diskutieren und lachen über unsere Fehltritte. Damit bauen wir ein großes Vertrauen auf und schaffen eine wirkliche Fehlerkultur.

Wer kennt das nicht? Anfang des Jahres sitzt man in der Familie zusammen und verteilt seine vertraglich geregelten Urlaubstage über das Jahr. Diese unflexible Planung passt jedoch häufig so gar nicht zum flexiblen Leben. Gerade dringend notwendige kurze Pausen werden mit dem Blick auf den verbleibenden Resturlaub und ggf. fehlende freie Tage zu Weihnachten oft nicht genommen. Es wird diskutiert, wie viele Tage in das nächste Jahr mitgenommen werden können und wann Urlaub verfallen darf/ kann. Es wird gerechnet, geschoben und gepokert. Das kann manchmal mächtig eng werden. Diesem seit Jahrzehnten praktizierten System liegt die Annahme zu Grunde, dass Mitarbeiter nur zur Arbeit erscheinen, weil sie eben aktuell keinen Urlaub nehmen können. Kann das aber die Grundlage für Motivation, Leidenschaft und eigene Ziele sein?

 

Was passiert, wenn man diese These in Frage stellt? Was passiert, wenn jeder im Team so viel Urlaub nehmen kann, wie er möchte/ braucht?

Die Peerox-Formel:

Ziel + Motivation + Freiheit = Erfolg

Denn nur wer die Freiheit hat, neben der Spur zu denken, um ans Ziel zu kommen, kann dieses bestmöglich erreichen!

Bei Peerox halten wir die Steuerung von Leistung über Überwachung der Arbeitszeit und Anwesenheit für vollkommen sinnfrei. Ob jemand Urlaub hat, Gleitzeit nimmt, im Homeoffice ausschließlich die Füße hochlegt oder seinen Bürotag bei Facebook verbringt, ist im Ergebnis vollkommen egal. Das Arbeitsergebnis hängt nur selten mit den geleisteten Arbeitsstunden ab. Ganz im Gegenteil: Sich regelmäßig Pausen gönnen, den Akku laden um dann mit dem Team richtig Gas zu geben kann nicht nur mehr Zufriedenheit und Gesundheit, sondern auch höhere Effizienz zur Folge haben .

Um diesen sinnfreien Druck von jedem Peer bei Peerox zu nehmen, haben wir unbegrenzten, bezahlten Urlaub eingeführt. Das bedeutet, jeder Peer kann so viel Urlaub nehmen, wie gewünscht. Es gibt nur einige Spielregeln zu beachten:

  1. Das System wird nur funktionieren, wenn sich alle aufeinander verlassen können und ein tiefes Vertrauen herrscht. Das Team motiviert und gönnt sich gegenseitig die verdienten Pausen. Gleichzeitig werden Abwesenheiten in engen Absprachen geplant. Sobald für den einzelnen Peer das Wohl des Teams und das Erreichen unserer Vision keine Rolle mehr spielt, wird das System scheitern. In diesem Fall haben wir aber vermutlich andere grundlegende Fehler gemacht und wohl sowieso keine Chance, die Peerox mit dem jetzigen Spirit am Leben zu erhalten.
  2. Urlaube werden mindestens mit ihrer geplanten Dauer als Vorlaufzeit angekündigt. Das hilft dem Team zu planen, Vertrauen aufzubauen und Aufgaben sowie Kundenkommunikation zu koordinieren.
  3. Der Mindesturlaub muss genommen werden. Aus diesem Grund loggen wir die Urlaubstage auch weiterhin mit, um insbesondere erholungsfaule Peers auch zu einem Zwangsurlaub verdonnern zu können. Wir werden sehr genau darauf achten, dass jeder auf sich achtet. Schließlich haben wir mit jedem einzelnen Kopf noch gewaltige Pläne.

Das Prinzip „unbegrenzter Urlaub“ wurde weltweit schon in einigen Unternehmen getestet. Die Ergebnisse daraus variieren sehr stark. Während in manchen das große Vertrauen zu durchaus positiven Effekten geführt hat, berichten andere von Ausnutzungseffekten, Ungleichheit, Missgunst oder auch dem fehlenden Mut überhaupt Urlaub zu nehmen. Wir haben im Vorfeld mit vielen Menschen über unsere Idee gesprochen. Im Mittel wird nicht geglaubt, dass dieses Prinzip tatsächlich funktionieren kann. Es wird angenommen, dass die negativen Effekte die positiven deutlich überwiegen. Doch wir glauben daran, dass die Peerox jedem einzelnen Peer so viele persönliche Entwicklungsmöglichkeiten, gemeinsame Herausforderungen mit unseren interessanten Projektpartnern und Spaß im Team bietet, dass selbst egoistische Überlegungen dazu führen, dies nicht aufs Spiel setzen zu wollen. Deshalb möchten wir den Gegenbeweis antreten, mit unseren Leitmotiven unsere Vision wahr werden lassen und dieses Experiment wagen. Wir werden sehen, ob wir schlussendlich als naive, idealistische Spinner mit unzufriedenen Peers und einer insolventen Peerox enden oder ob das Vertrauen in den persönlichen Antrieb der Peers noch einmal neue Kräfte und Freude am Arbeiten freisetzt.

Wir freuen uns riesig über die Nominierung als Gründer des Jahres! Doch was braucht man als solcher eigentlich?

Mut und Risikobereitschaft?

Außergewöhnlich gute Ideen?

Begeisterung für sein Produkt?

Diese Eigenschaften einen alle unsere Peers, die gemeinsam ein tolles Unternehmen entstehen lassen. Deshalb haben wir (an den Initiatoren des Preises vorbei 😉 entschieden, dass allein bei der Peerox sagenhafte 13 Köpfe nominiert sind. Mit dieser Anzahl Nominierungen ist unsere erst reichlich einjährige Firma beispielsweise auf Augenhöhe mit filmischen Meisterwerken wie „Shape of Water“.

Jetzt ist es an euch, mit der Abgabe eurer Stimme bis zum 16.08. den folgenden Satz zu beenden:

And the Oscar Gründer des Jahres award goes to…